Burn-out, psychische Gesundheit und Prävention

Austausch zwischen dem Syndikat Finance Sector und der ASTF über die Realitäten im Alltag

Eine Delegation des Syndikats Finance Sector des OGBL, bestehend aus Angélique Lazzara, Zentralsekretärin, Nassima Berkouchi, beigeordnete Zentralsekretärin, und Daniel Marques, gewerkschaftlicher Berater, traf am 28. April die Vereinigung für Gesundheit am Arbeitsplatz des Dienstleistungs- und des Finanzsektors (Association pour la santé au travail des secteurs tertiaire et financier – ASTF), die durch ihren Generaldirektor Olivier Hamou sowie die medizinische Direktorin Dr. Sandrine Tomasini vertreten wurde.

Die Gespräche fanden in einer konstruktiven und offenen Atmosphäre statt. Die ASTF beantwortete die vom Syndikat Finance Sector aufgeworfenen Fragen mit großem Interesse und zeigte einen klaren Willen, die Realitäten vor Ort zu verstehen. Dieses Treffen bot zudem die Gelegenheit, ein gemeinsames Ziel hervorzuheben: im jeweiligen Aufgabenbereich für die Gesundheit der Arbeitnehmer und die Begleitung von Menschen, insbesondere in Situationen des psychischen Leidens, zu arbeiten.

Das Treffen fand vor dem Hintergrund zunehmender Sorgen statt, die von den Personaldelegationen geäußert werden. Die Beobachtungen vor Ort sind eindeutig: eine Zunahme von Burn-out-Fällen, eine steigende Zahl interner und externer Wiedereingliederungen sowie eine Verschärfung psychosozialer Schwierigkeiten in mehreren Unternehmen des luxemburgischen Finanzplatzes.

Über diese Feststellungen hinaus bot der Austausch die Möglichkeit, konkret über bestehende Maßnahmen, die gesetzlichen Verpflichtungen im Bereich der Arbeitsmedizin sowie die neuen Herausforderungen im Zusammenhang mit der psychischen Gesundheit in den Dienstleistungs- und Finanzsektoren zu sprechen.

Psychischer Druck ist zu einem zentralen Thema geworden

Chronischer Stress, Arbeitsüberlastung, Sinnverlust, emotionale Erschöpfung oder auch Isolation infolge neuer Arbeitsorganisationsformen: Psychosoziale Risiken nehmen inzwischen einen bedeutenden Platz im Alltag der Arneiitnehmer ein.

Die ASTF erinnerte daran, dass sich ein Burn-out nicht auf eine vorübergehende Müdigkeit reduzieren lässt. Er beruht auf drei anerkannten Dimensionen:

  • berufliche Erschöpfung;
  • Depersonalisierung;
  • Verlust der persönlichen Erfüllung.

Diese Situationen können schrittweise zu einem Verlust des Selbstwertgefühls, Schwierigkeiten beim Setzen von Grenzen im Arbeitsleben und einem starken Schuldgefühl führen.

Dr. Sandrine Tomasini betonte die Bedeutung einer frühzeitigen und menschlichen Betreuung:

„Unter den Beschäftigten, die wir in den Sprechstunden sehen, weisen einige chronischen Stress oder Erschöpfungssymptome auf, nachdem sie Warnsignale lange Zeit heruntergespielt haben. Ziel ist es, einen Raum für Zuhören und Prävention zu schaffen, bevor sich die Situation weiter verschlechtert.“

„Lighthouse“: Ein Begleitprogramm für Beschäftigte mit Burn-out

Unter den vorgestellten Maßnahmen fand das Programm „Lighthouse“ beim OGBL besondere Aufmerksamkeit. Dieses kostenlose, drei Monate dauernde Programm richtet sich an Beschäftigte von Unternehmen, die Mitglied der ASTF sind und mit beruflicher Erschöpfung konfrontiert sind.

Es umfasst insbesondere rund 30 Stunden Begleitung, psychologische Beratungen, Gesprächsgruppen, eine multidisziplinäre Betreuung sowie Schulungen zu Schlaf, Ernährung und Stressbewältigung.

Ergänzende Ansätze wie Sophrologie oder Meditation werden ebenfalls angeboten. Die ASTF verfügt derzeit über ein multidisziplinäres medizinisches Team aus 6 Ärzten, 4 Psychologen, 2 Krankenpflegern, 5 medizinischen Assistentinnen und 1 Ergonomen. Zwei zusätzliche Arbeitsmediziner sollen dieses Team in Kürze verstärken.

Medizinische Untersuchungen werden noch zu häufig vernachlässigt

Die ASTF erinnerte außerdem an die Bedeutung der regelmäßigen medizinischen Untersuchungen, die eine gesetzliche Verpflichtung darstellen. Beschäftigte unter 50 Jahren müssen alle fünf Jahre untersucht werden, Beschäftigte über 50 Jahre alle drei Jahre.

Herr Hamou erklärte, dass die Arbeitsmedizin eine Rolle bei Früherkennung und Prävention spiele. Angesichts der Zunahme psychosozialer Risiken sei daher beschlossen worden, die medizinische Überwachung zu verstärken und die Beschäftigten im Rahmen dieser regelmäßigen Untersuchungen systematisch und regelmäßig zu sehen.

Diese Untersuchungen ermöglichen insbesondere:

  • psychische Belastungen zu erkennen;
  • bestimmte Erkrankungen frühzeitig festzustellen;
  • die Übereinstimmung zwischen Gesundheitszustand und Arbeitsplatz zu überprüfen;
  • und vor allem Risikosituationen zu erkennen, bevor sie zu einer längeren Arbeitsunfähigkeit führen.

Im Jahr 2024 wurden rund 1.200 Untersuchungen durchgeführt, im Jahr 2025 bereits fast 3.000.

Ein Aspekt hat jedoch die besondere Aufmerksamkeit des OGBL auf sich gezogen: die hohe Zahl von Nichterscheinen zu medizinischen Terminen, die die Betreuung anderer wartender Beschäftigter verzögert. Seit Ende 2025 wird bei einem nicht mindestens 48 Stunden vorher abgesagten Termin eine Gebühr von 50 €  erhoben.

Diese Maßnahme dient nicht dazu, Personen zu bestrafen, die aus einem ernsthaften und berechtigten Grund nicht erscheinen können – in solchen Fällen wird die Gebühr nicht erhoben.

Prävention und Verantwortung der Unternehmen

Über die medizinische Betreuung hinaus möchte die ASTF ihre Präventions- und Sensibilisierungsmaßnahmen weiter ausbauen.

Die Gespräche befassten sich insbesondere mit Schulungen zu psychosozialen Risiken, der Begleitung von Personalabteilungen, der Prävention von Belästigung, Ergonomie, Telearbeit sowie der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und der psychischen Gesundheit.

Im Jahr 2025 wurden 153 Schulungen in 6 % der angeschlossenen Unternehmen durchgeführt, an denen nahezu 3.000 Personen teilnahmen. Angesichts der Bedürfnisse des Sektors wird diese Zahl jedoch noch als unzureichend angesehen.

Um auch kleinere Unternehmen zu erreichen, werden ab dem zweiten Halbjahr 2026 zusätzlich unternehmensübergreifende Schulungen angeboten.

Vertraulichkeit und Rolle als „Frühwarnsystem“

Die ASTF erinnerte an ein grundlegendens Prinzip: die strikte Wahrung der ärztlichen Schweigepflicht.

Die individuellen Ergebnisse der Untersuchungen werden ausschließlich dem betreffenden Beschäftigten mitgeteilt. Die Unternehmen erhalten lediglich anonymisierte Daten, die der Ausrichtung von Präventionsmaßnahmen dienen.

Für Olivier Hamou geht die Aufgabe der ASTF über den rein administrativen Rahmen hinaus: „Unsere Aufgabe besteht darin, die Gesundheit am Arbeitsplatz aufmerksam zu beobachten, frühe Warnsignale zu erkennen, Beschäftigte zu unterstützen und Unternehmen dabei zu helfen, kritische Situationen zu vermeiden, bevor sie unumkehrbare Folgen haben.“

Eine Realität, die nicht mehr ignoriert werden kann

Dieses Treffen bestätigt eine inzwischen unumgängliche Realität: Fragen der psychischen Gesundheit und der Prävention psychosozialer Risiken können im Finanzsektor nicht länger als zweitrangig betrachtet werden.

Angesichts zunehmender Arbeitsverdichtung und organisatorischer Veränderungen hält das Syndikat Finance Sector es für unerlässlich, die Präventionsmaßnahmen zu stärken, einen tatsächlichen Zugang zu Unterstützungsangeboten zu gewährleisten und eine wirksame medizinische Betreuung der Beschäftigten sicherzustellen.

Das Ziel ist klar: der Banalisierung von Burn-out entgegenzuwirken und den Menschen wieder in den Mittelpunkt der Arbeit zu stellen, damit wirtschaftliche Leistung niemals auf Kosten der Gesundheit der Beschäftigten geht.

Weitere Informationen zu den angebotenen Dienstleistungen und Maßnahmen finden Sie auf der Website der ASTF.

Wenn Sie von der ASTF zu Ihrer regelmäßigen arbeitsmedizinischen Untersuchung eingeladen wurden: Nehmen Sie diesen Termin wahr – für sich selbst, für Ihre Gesundheit, denn Vorbeugen ist immer besser als später die Folgen tragen zu müssen.

Dieser Artikel wurde im Aktuell veröffentlicht (3/2026)