Arbeiten ohne Anerkennung:

Diplome, Prekarität & Unsichtbarkeit

Am 22. März veranstaltete das Komitee Esch-Rümelingen der Immigriertenabteilung des OGBL im Rahmen des vom CLAE organisierten Festivals der Migrationen ein Rundtischgespräch mit dem Titel: „Arbeiten ohne Anerkennung: Diplome, Prekarität und Unsichtbarkeit neuer Migrationsbewegungen“. Ziel dieser Debatte war es, die Hindernisse zu identifizieren, mit denen neu Zugewanderte auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert sind.

Wie Nenad Dubajic (CEFIS) einleitend erläuterte, wird die demografische Landschaft Luxemburgs zunehmend komplexer. Zwar dominieren die historischen Nationalitäten (Portugiesen, Franzosen, Belgier, Deutsche und Italiener) weiterhin, doch das Land wird vielfältiger: Insgesamt sind 185 Nationalitäten vertreten. Gleichzeitig steigt die Zahl der Staatsangehörigen aus Drittstaaten, insbesondere aus den indischen, eritreischen, brasilianischen oder ukrainischen Gemeinschaften. Angesichts dieser Vielfalt besteht die Herausforderung nun darin, eine tatsächliche Anerkennung und Aufwertung dieser Lebens- und Berufswege zu gewährleisten. Nach dieser demografischen Bestandsaufnahme wurde die Diskussion mit vier Experten fortgesetzt, die sich für die Begleitung und die Rechte zugewanderter Arbeitnehmer engagieren.

Roberta Züge (ACLUX) prangerte die Hindernisse bei der Anerkennung von Qualifikationen an. Obwohl Luxemburg insbesondere im Gesundheitswesen unter Arbeitskräftemangel leidet, bleiben die Anerkennung ausländischer Diplome und die Erteilung von Berufsausübungsgenehmigungen intransparent. Sie führte das Beispiel einer Psychiaterin an, die mangels Berufsausübungsgenehmigung in ihrem Fachgebiet im Schönheitssektor arbeitet. Angesichts dieser Verschwendung von Kompetenzen fordert Roberta Züge dringend politische Reformen, um den Sektor attraktiver zu gestalten und den betroffenen Personen ihre Würde zurückzugeben.

Jean-Luc De Matteis (Mitglied des geschäftsführenden Vorstands des OGBL) erinnerte daran, dass Prekarität in Branchen wie dem Baugewerbe, dem Horeca-Sektor oder der Reinigungsbranche systemisch ist. Befristete Verträge oder aufgezwungene Teilzeitarbeit schaffen eine Situation der Verletzlichkeit, in der die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust jede Form von Protest hemmt. Dennoch betonte er, dass der gewerkschaftliche Kampf weiterhin der wirksamste Schutzwall sei. Durch Kollektivvertragsverhandlungen schützt der OGBL alle Arbeitnehmer, einschließlich der am stärksten verletzlichen.

Sérgio Ferreira (ASTI) lenkte die Aufmerksamkeit auf Arbeitnehmer ohne Aufenthaltsgenehmigung. Sie sind in der informellen Wirtschaft tätig und einer ungehemmten Ausbeutung ausgesetzt, ohne jeden rechtlichen Schutz. Für die ASTI ist die Regularisierung ihres Status ein kollektiver Kampf: Solange ein Teil der Arbeitnehmer im Schatten leben muss, kann er dazu genutzt werden, die Rechte aller Beschäftigten nach unten zu drücken.

Schließlich kritisierte Francesca Tavanti (RYSE) die erzwungene Untätigkeit von Antragstellern auf internationalen Schutz (DPI – Demandeur de Protection Internationale). In Luxemburg kann ein DPI erst nach sechs Monaten eine befristete Arbeitsgenehmigung beantragen. RYSE fordert die Abschaffung dieser zeitraubenden Hürde, die zusammen mit dem bürokratischen Aufwand Arbeitgeber abschreckt und Geflüchtete in der Prekarität festhält. Langfristig beeinträchtigt dieser Ausschluss vom Arbeitsmarkt das Erlernen der Sprachen sowie die berufliche Integration erheblich.

Abschließend wurde in den Diskussionen bekräftigt, dass der Kampf für die Rechte von Migranten untrennbar mit dem allgemeinen gewerkschaftlichen Kampf verbunden ist. Die zivilgesellschaftlichen Organisationen und die Gewerkschaftsbewegung müssen sich zusammenschließen, um jene zu schützen, die durch das System benachteiligt werden. Eine echte Anerkennung für alle einzufordern, ist unerlässlich, um die Würde der Arbeit im gegenwärtigen politischen Klima zu verteidigen.

Dieser Artikel wurde im Aktuell veröffentlicht (3/2026)