Erhöhung der Lehrlingsentschädigungen: Ein richtiger und längst überfälliger Schritt

Die Reform der beruflichen Ausbildung muss auf allen Ebenen weitergehen!

Die angekündigte Erhöhung der Lehrlingsentschädigungen sowie deren Kopplung an die Entwicklung des sozialen Mindestlohns stellen einen wichtigen und längst überfälligen Fortschritt für die berufliche Ausbildung in Luxemburg dar. Ebenso ist die Einführung einer Prämie zur Anerkennung des Engagements der Tutorinnen und Tutoren in den Betrieben ausdrücklich zu begrüßen.

SEW/OGBL und AMELUX/OGBL teilen die Einschätzung der CSL, dass diese Maßnahmen die Attraktivität der handwerklichen und beruflichen Ausbildung nachhaltig stärken können. Sie stellen einen ersten konkreten Schritt dar, um der Realität Rechnung zu tragen, denn eine qualifizierte Ausbildung im Handwerk kann nur dann attraktiv sein, wenn Arbeit sich auch finanziell lohnt.

Diese Entscheidung erfüllt zugleich die langjährigen Forderungen der Gewerkschaften nach einer Vereinheitlichung und spürbaren Erhöhung der Lehrlingsentschädigungen. Seit Jahren weisen SEW/OGBL und AMELUX/OGBL darauf hin, dass niedrige und uneinheitliche Entschädigungen ein zentrales Hindernis für die Wahl einer beruflichen Ausbildung darstellen. Dass Bildungsminister Claude Meisch nun offensichtlich zu dieser Einsicht gelangt ist, erweist sich als positives Signal.

Gleichzeitig muss klar sein: Die finanzielle Aufwertung allein reicht nicht aus. Wenn die berufliche Ausbildung nachhaltig gestärkt und als gleichwertige Bildungs- und Berufsentscheidung anerkannt werden soll, bedarf es weitergehender struktureller Reformen.

Dazu gehören insbesondere:

  • Eine gezielte und verbindliche Orientierung der Schülerinnen und Schüler erst ab der 4e, um die „formation professionnelle“ nicht als vermeintliche Notlösung am Ende des unteren Zyklus der Sekundarschule aussehen zu lassen, sondern als bewusste, gleichwertige und zukunftsfähige Wahl innerhalb des Bildungssystems.
  • Eine Verlängerung der beruflichen Ausbildung um ein zusätzliches Jahr, um die fachlichen und allgemeinen Kompetenzen zu vertiefen und den Abschluss substanziell aufzuwerten.
  • Eine klare und kohärente Anerkennung der Abschlüsse im nationalen Qualifikationsrahmen, insbesondere mit dem Ziel, berufliche Diplome systematisch auf Niveau 5 bzw. Niveau 6 einzuordnen. Nur so können echte Anschlussfähigkeit (Erwerbung des Meisterbriefs auf Bachelor-Niveau), der Zugang zu weiterführenden Studien sowie langfristige berufliche Perspektiven gewährleistet werden.

Diese Forderungen haben SEW/OGBL und AMELUX/OGBL bereits in früheren Stellungnahmen klar formuliert. Die nun angekündigten Maßnahmen zeigen, dass politischer Handlungsspielraum vorhanden ist, wenn der politische Wille besteht.

Darüber hinaus müssen diese Reformen durch flankierende arbeits- und sozialpolitische Maßnahmen ergänzt werden. Dazu gehören insbesondere:

  • Eine gesetzliche Förderung der sektoriellen Kollektivverträge im Sinne einer Erhöhung der Kollektivvertragsdichte für die Zeit nach der Ausbildung, um zu verhindern, dass qualifizierte Fachkräfte unmittelbar nach Abschluss ihrer Lehre aufgrund schlechterer Arbeits- und Entlohnungsbedingungen in staatliche oder kommunale Betriebe abwandern.
  • Eine grundlegende Reform der Ausbildungsfinanzierung: Betriebe müssen entsprechend ihrer Größe und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Verantwortung für die Ausbildung übernehmen, da sie insgesamt davon profitieren: Die Qualifikation der Arbeitnehmer ist ein wirtschaftlicher Vorteil und die Rückkehr der Arbeitsuchenden in den Arbeitsmarkt führt zu einer Verringerung der sozialen Ausgaben für die Betreuung der Arbeitslosen. Die Erhebung einer solchen Ausbildungstaxe würde durch einen dreigliedrig verwalteten Fonds erfolgen.

SEW/OGBL und AMELUX/OGBL erwarten daher, dass die aktuelle Reform nicht als Endpunkt, sondern als Auftakt für eine umfassende, kohärente Aufwertung der beruflichen Bildung verstanden wird. Eine starke, attraktive und sozial anerkannte handwerkliche Ausbildung liegt im Interesse der Jugendlichen, der Betriebe und der gesamten Gesellschaft.

Der eingeschlagene Weg ist richtig — nun gilt es, ihn konsequent und entschlossen weiterzugehen, im Dialog mit den Sozialpartnern und allen Akteurinnen und Akteuren der beruflichen Bildung.

Mitgeteilt von SEW/OGBL und AMELUX/OGBL,
am 13. Februar 2026