Auf den Punkt gebracht

Rentrée syndicale

Wer dachte die Rentrée syndicale würde dieses Jahr ruhig anlaufen, da wir die größten politischen Angriffe in den letzten zwei Jahren erfolgreich abwehren konnten, scheint sich wohl geirrt zu haben.

Sozialwahlen im größten Reinigungsbetrieb Luxemburg Dussmann Service Sàrl, Follow-Up-Sitzung zur Krisen-Tripartite im Oktober, ein übereifriger Arbeitsminister, der noch auf die Schnelle einige, zum Teil gefährliche Reformen im Arbeitsrecht durchboxen möchte und quasiwöchentliche CPTE-Sitzungen organisiert.

Hohe Preise, internationale Krisen und wachsende Unsicherheit bestimmen unseren Alltag. Gerade jetzt braucht es einen starken OGBL. Für uns bleibt auf jeden Fall klar: Die Beschäftigten dürfen nicht die Rechnung für Krisen bezahlen, die sie nicht verursacht haben. Das war gestern richtig, und das ist heute nicht falsch.

Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie schnell sich die wirtschaftliche Lage verändern kann. Energiepreise, Lebensmittel, Wohnungspreise und alltägliche Ausgaben sind deutlich gestiegen. Für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bedeutet das: Trotz Arbeit bleibt am Monatsende immer weniger übrig.

Der Index ist nicht verhandelbar

Das automatische Indexsystem ist eine der wichtigsten sozialen Errungenschaften Luxemburgs. Wenn die Preise steigen, müssen auch die Löhne entsprechend angepasst werden. Der Index verhindert, dass die Beschäftigten bei jeder neuen Preissteigerung einen weiteren Verlust ihrer Kaufkraft hinnehmen müssen.

Der Index ist kein Geschenk der Arbeitgeber. Er ist kein Privileg. Er ist ein hart erkämpfter Schutzmechanismus gegen den Kaufkraftverlust.

Immer wieder wird versucht, das Indexsystem infrage zu stellen. Mal wird eine Verschiebung gefordert, mal eine Deckelung oder eine strukturelle Reform des Warenkorbs. Für uns ist die Antwort eindeutig: Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben nicht zu viel Index – sie haben zu wenig Kaufkraft.

Wenn Energiepreise steigen oder internationale Krisen die Wirtschaft belasten, werden schnell Opfer von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern verlangt. Der OGBL warnt auch heute schon davor, dass er keine Austeritätspolitik nach der teuren Steuerreform Gilles Roths zulassen wird.

Angriffe auf Löhne und speziell den Mindestlohn, und mehr Flexibilität seitens der Arbeitnehmer werden in Krisenzeiten von der Arbeitgeberseite und der ihrer gut gesinnten Regierung, als notwendige Maßnahmen dargestellt.

Doch gleichzeitig steigen die Gewinne vieler Unternehmen und die Vermögen der Reichsten weiter.

Das ist keine faire Verteilung der Lasten.

Wer Krisen bewältigen will, muss dort ansetzen, wo die finanziellen Möglichkeiten vorhanden sind. Es kann nicht sein, dass diejenigen, die jeden Morgen zur Arbeit gehen, am Ende bezahlen.

Gute Löhne statt Lohndruck

Der Index allein reicht nicht aus. Er verhindert einen Teil des Kaufkraftverlustes, ersetzt aber keine echten Lohnerhöhungen.

Deshalb braucht es starke Kollektivverträge, höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen.

Es braucht einen Mindestlohn, der alle zwei Jahre automatisch und ohne Diskussion an die allgemeine Lohnentwicklung angepasst wird.

Arbeit muss sich lohnen

Ein reiches Land braucht deshalb nicht nur
wirtschaftliches Wachstum, sondern soziale Gerechtigkeit.

In unsicheren Zeiten zeigt sich besonders deutlich, warum der OGBL gebraucht wird. Individuell kann ein Beschäftigter nur wenig gegen steigende Preise, schlechte Arbeitsbedingungen oder den Druck eines Arbeitgebers ausrichten. Mit einer starken Gewerkschaft, die ihn unterstützt, sieht das anders aus.

Gemeinsam können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer jedoch etwas bewegen.

Unsere Mission für die kommenden Monate: Keine Rückkehr zu einem System, in dem die Beschäftigten die Inflation allein tragen. Kein neuer Angriff auf den Index. Keine Politik auf Kosten der Kaufkraft.

Der OGBL ist heute mobilisierungsfähiger und mitgliederstärker denn je. Wir werden die Interessen der Arbeitnehmer verteidigen, wenn nötig auf der Straße.

Angefangen bei den Interessen der Schwächsten, denjenigen deren Arbeit unsichtbar und gesellschaftliche Anerkennung am geringsten ist: den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Reinigungssektor. Es muss endlich Schluss sein mit der Geringschätzung gegenüber diesen Jobs. Der OGBL erklärt deswegen die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Reinigungskräfte zur obersten Priorität.

Nichts liefe in unserer Gesellschaft ohne ihre Jobs. Wie wir gerne sagen: Sind sie am Arbeiten, sieht niemand sie, würden sie nicht arbeiten, würden wir es alle sehen! Das wird jetzt etwas kosten! Bessere Löhne und Anerkennung für den Sektor! Dafür steht der OGBL.

Nora Back,
Präsidentin des OGBL

Dieser Artikel wurde im Aktuell veröffentlicht (4/2026)