Hart wie Stahl

Arbeitnehmer demonstrieren bei der Hauptversammlung von ArcelorMittal

Arbeitnehmer und Gewerkschafter aus aller Welt versammelten sich am 5. Mai vor dem Hauptsitz von ArcelorMittal in Luxemburg, um anlässlich der Hauptversammlung des Stahlriesen ihre Stimme zu erheben.

Im Mittelpunkt ihrer Forderungen standen die Sicherheit der Arbeitnehmer von ArcelorMittal – mehr als 300 Beschäftigte des Konzerns haben in den vergangenen zehn Jahren ihr Leben verloren – sowie die Notwendigkeit eines echten Engagements und konkreter Maßnahmen. Weltweit werden Arbeitsplätze ohne Konsultation abgebaut, und die Gewerkschaften werden regelmäßig außen vor gelassen.

Gleichzeitig werden Milliarden an die Aktionäre ausgeschüttet, während die Investitionen in Sicherheit, Beschäftigung und Klimaschutz unzureichend bleiben. Die Demonstranten sandten der Unternehmensleitung und den Aktionären am 5. Mai eine klare Botschaft: Genug ist genug! Sie fordern Investitionen zugunsten der Arbeitnehmer und des Planeten sowie die Achtung der Arbeitnehmerrechte. Außerdem verlangen sie einen echten Sozialdialog: Ihr Leben, ihre Würde und ihre Zukunft müssen Vorrang vor den Profiten haben.

Die menschlichen Kosten sind keineswegs abstrakt. Sie machen sich in jedem Werk, an jedem Arbeitsplatz und für jeden Beschäftigten bemerkbar, der seine Schicht antritt. In Mexiko haben die Folgen von Unterinvestitionen bereits Menschenleben gekostet. Im Juni 2025 führte die vermeidbare Explosion eines Heizkessels im Kraftwerk von ArcelorMittal in Lázaro Cárdenas – die Folge jahrelang aufgeschobener Wartungsarbeiten – zum Tod eines Vorarbeiters und zu schweren Verletzungen eines Arbeiters. Das Unternehmen hatte sich wiederholt damit begnügt, Lecks am Kessel abzudichten, anstatt die strukturellen Mängel der Anlage zu beheben. Infolgedessen wurde die Produktion für mehr als sechs Monate unterbrochen.

In Liberia organisierten Beschäftigte von SEGAL, dem Sicherheitsdienstleister von ArcelorMittal, im Oktober 2025 eine friedliche Demonstration. Sechzehn von ihnen wurden anschließend auf Anweisung von SEGAL geschlagen und festgenommen. Arbeitnehmer, die sich organisieren, ihre Stimme erheben und einfordern, was ihnen zusteht, sehen sich Repressionen ausgesetzt.

In Europa hat das Unternehmen seinen Europäischen Betriebsrat (EBR) wiederholt an den Rand gedrängt. Es unterließ die Anhörung des EBR bei wichtigen Umstrukturierungsentscheidungen und verstieß damit sowohl gegen das Recht der Europäischen Union als auch gegen seine eigene EBR-Vereinbarung. Die Situation wurde so unhaltbar, dass der EBR im März 2026 gezwungen war, eine Mediation zu beantragen. Die europäischen Gewerkschaften bezeichnen das Verhalten des Unternehmens als „Gaslighting“ und werfen ihm vor, vorzugeben, den EBR zu informieren, ohne dies tatsächlich zu tun.

Für die Gewerkschaften ist es inakzeptabel, dass ArcelorMittal weltweit von 3,5 Milliarden US-Dollar an öffentlichen Subventionen profitiert, während seine Beschäftigten in schlecht instand gehaltenen Anlagen leiden und sterben.

Schließlich zeigte eine 2025 von SteelWatch veröffentlichte Studie, dass ArcelorMittal trotz des Erhalts von mehr als 3 Milliarden Euro an öffentlichen Fördermitteln für die Dekarbonisierung in Europa und anderen Regionen „keine endgültige Investitionsentscheidung für seine fünf angekündigten Projekte zur Direktreduktion von Eisenerz (DRI) in Europa und Kanada getroffen hat“. Zwischen 2021 und 2024 investierte das Unternehmen lediglich 800 Millionen US-Dollar in die Dekarbonisierung. Im selben Zeitraum schüttete es jedoch 12 Milliarden US-Dollar in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen an seine Aktionäre aus.

Dieser Artikel wurde im Aktuell veröffentlicht (3/2026)