18 Februar 2021

(Magazin)

Finanzsektor: Für qualitativ hochwertige Branchenkollektivverträge

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Ein Virus kann ein anderes verbergen…

Das Phänomen der Digitalisierung ist im Finanzsektor nicht neu, und seine Auswirkungen auf die Arbeitsorganisation und -bedingungen oder sogar den Verlust oder die Schaffung von Arbeitsplätzen werden immer offensichtlicher.

Obwohl sich unser Sektor ständig weiterentwickelt, hat die Covid-19-Krise dennoch den Übergang zur Automatisierung beschleunigt, sowohl für die Unternehmen des Banken- und Versicherungssektors als auch für ihre 30.000 Arbeitnehmer. Unser Sektor steht vor einer kompletten Umgestaltung und die Arbeitnehmer müssen mit Umstrukturierungsprojekten rechnen. Für die Arbeitgeber dient das Coronavirus als Vorwand, um die Arbeit neu zu organisieren. Das neue Virus der totalen Verfügbarkeit der Arbeitnehmer breitet sich im gesamten Sektor aus und eine heftige Reaktion ist erforderlich.

Jetzt (oder nie) ist es an der Zeit, Präventivmaßnahmen auf sektoraler Ebene einzuführen.

Die Einführung der Digitalisierung und der richtige Einsatz digitaler Werkzeuge bringt viele wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer mit sich, kann aber auch von beruflichen und rechtlichen Nachteilen begleitet sein.

Ganze Berufe verschwinden, während andere entstehen. Wir müssen uns auf mehr Massenentlassungen und mehr Sozialpläne einstellen. Präventive Maßnahmen zur Sicherung von Arbeitsplätzen aktueller und zukünftiger Arbeitnehmer müssen Bestandteil des Kollektivvertrags sein. Es versteht sich von selbst, dass individuelle Ausbildungen zur Verbesserung der informatischen Kenntnisse aller Arbeitnehmer, insbesondere derer, die bezüglich der Beschäftigungsfähigkeit am schwächsten sind, zu einer zwingenden Notwendigkeit werden, damit sie effektiv arbeiten können.

Was sind die angemessenen Reaktionen, um jegliche Verletzung der Rechte und Arbeitsbedingungen von Bank- und Versicherungsangestellten zu vermeiden?

Die Antworten, um dieser neuen wirtschaftlichen und soziologischen Realität zu begegnen, sind kollektiv und beziehen sich auf den Sektor. Sie müssen im Rahmen der sektoriellen Kollektivverträge erbracht werden und konkrete Verbesserungen, sowohl quantitativer als auch qualitativer Art, herbeiführen.

Neben Bestimmungen zur Lohnhöhe und Lohnentwicklung müssen im Interesse von Arbeitnehmern und Arbeitgebern auch qualitative Fragen der Arbeitszeit, der Arbeitsplatzsicherheit, der dominierenden Bedeutung der Ausbildung und des Wohlbefindens behandelt werden.

Der zunehmende Einsatz von digitalen Werkzeugen und Telearbeit hat zu einer Kultur des der permanenten Verbindung und der konstanten Verfügbarkeit geführt, die sich nachteilig auf grundlegende Arbeitnehmerrechte und faire Arbeitsbedingungen auswirken kann. Sie hat Auswirkungen auf die Entlohnung, die Begrenzung der Arbeitszeit und die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben, die körperliche und geistige Gesundheit sowie die Sicherheit und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz. Um positive Auswirkungen auf die Arbeitnehmer und ihre Arbeitsbedingungen zu haben, muss der digitale Umstieg von der Achtung bestehender Rechte geleitet sein.

Regelung über Kollektivvertrag

Die neuen Arbeitsformen des digitalen Zeitalters müssen fester Bestandteil der Branchenkollektivverträge für Banken und Versicherungen sein. Es ist Sache der Sozialpartner, über den Kollektivvertrag zu verhandeln:

  • Arbeitsplatzsicherung
  • gerechte Löhne
  • Arbeitszeitbegrenzung
  • Einsatz digitaler Werkzeuge
  • Ausgleich zwischen Berufs- und Privatleben
  • Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz

Der Kollektivvertrag ist das am besten geeignete Instrument, um die Interessen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu regeln und vor allem den sozialen Frieden in der Branche zu gewährleisten.

Absicherung der Berufslaufbahn

Arbeitsplatzsicherheit vor allem, ein wesentliches Recht, das in den Branchenkollektivverträgen verankert werden muss:

  • die Verpflichtung, vor wirtschaftlichen und Massenentlassungen einen Plan zum Beschäftigungserhalt aufzustellen: der Schutz der Arbeitsplätze muss Vorrang vor jeglichen wirtschaftlichen Überlegungen haben;
  • die Einführung eines individuellen Rechts auf berufliche Weiterbildung, um jedem die Mittel und die Möglichkeit zu geben, sich neu zu positionieren, neue Fähigkeiten zu antizipieren und sich anzueignen oder vorhandene Fähigkeiten zu festigen;
  • die Analyse und Identifizierung des zukünftigen Personalbedarfs für neue Berufe auf Sektorenebene und die Organisation der Durchführung von qualifizierenden Ausbildungen im Sektor. Eine qualifizierende Ausbildung hat einen eindeutigen beruflichen Wert für alle Arbeitnehmer des Sektors.

Arbeitszeitorganisation

  • die Einführung eines garantierten Rechts auf Abschalten für alle, um eine Abgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben zu gewährleisten, damit die Arbeit nicht auf das Privatleben übergreift
  • Regulierung der Telearbeit: Festlegung von Grenzen und eines Rahmens für Telearbeit im Sektor mit Bezug auf die branchenübergreifende Telearbeitsvereinbarung
  • Überwachung und Regulierung der Arbeitszeit: Kontrolle von Arbeitszeit und Überstunden
  • sowie die Einführung eines 5-tägigen Sozial- oder Pflegeurlaubs.
  • die Einrichtung von Zeitsparkonten
  • eine flexible Arbeitszeitregelung

Wohlfühlen am Arbeitsplatz

die Einführung von neuen Rechten zur Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben:

  • ein Recht auf freiwillige Teilzeitarbeit für einen bestimmten Zeitraum mit einem Recht auf Rückkehr zur Vollzeit
  • Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz haben Vorrang: die Umsetzung einer präventiven betrieblichen Gesundheitspolitik in jedem Unternehmen

Entlohnung

  • die Erhöhung der Einstiegsgehälter für 2021, 2022 und 2023
  • die Einführung einer neuen Gruppe E für Führungskräfte
  • die Wiedereinführung von garantieren jährlichen Lohnerhöhungen in der Lohntabelle
  • die Gewährung von linearen Erhöhungen für alle Arbeitnehmer
  • die Rücknahme der Lohnentwicklung auf Grundlage der Bewertung individueller Leistungen und er Verteilung kollektiver Gewinne an Eliten
  • eine faire Umverteilung der Kapitalgewinne unter ALLEN Arbeitnehmern des Unternehmens
  • die Einführung einer endgültigen Treueprämie (Juniprämie) im KV, ohne Bindung an die Laufzeit des KV.

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