{"id":3015,"date":"2022-07-01T18:23:54","date_gmt":"2022-07-01T16:23:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ogbl.lu\/communiques\/kein-grunes-finanz-label-fur-atom-gas-etikettenschwindel-mit-der-parlaments-abstimmung-anfang-juli-stoppen"},"modified":"2023-06-19T14:27:24","modified_gmt":"2023-06-19T12:27:24","slug":"kein-grunes-finanz-label-fur-atom-gas-etikettenschwindel-mit-der-parlaments-abstimmung-anfang-juli-stoppen","status":"publish","type":"communiques","link":"https:\/\/www.ogbl.lu\/de\/communique\/kein-grunes-finanz-label-fur-atom-gas-etikettenschwindel-mit-der-parlaments-abstimmung-anfang-juli-stoppen\/","title":{"rendered":"Kein gr\u00fcnes Finanz-Label f\u00fcr Atom &#038; Gas &#8211; Etikettenschwindel mit der Parlaments-Abstimmung Anfang Juli stoppen!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.ogbl.lu\/wp-content\/uploads\/communiques\/logo_atomkraaft.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-36163\" style=\"border: 0px none;\" src=\"https:\/\/www.ogbl.lu\/wp-content\/uploads\/communiques\/logo_atomkraaft.jpg\" alt=\"logo_atomkraaft\" width=\"260\" height=\"262\" \/><\/a>Fast heimlich ist die EU-Kommission am 31. Dezember 2021, kurz vor Mitternacht, im Rahmen der Diskussionen zur Finanztaxonomie &#8211; einer Art \u00d6ko-Label f\u00fcr den Finanzbereich der \u00f6kologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivit\u00e4ten auflistet &#8211; vorgeprescht um hochkontroverse Atomkraft- und Erdgasaktivit\u00e4ten als nachhaltig und damit als besonders investitions- und f\u00f6rderw\u00fcrdig zu klassifizieren.<\/p>\n<p>Das Aktionskomitee sieht es als \u00fcberaus wichtig an, diesen Kommissionsentwurf zur\u00fcckzuweisen, da er sowohl in Punkto rechtliche Form als auch in Punkto Inhalt sehr problematisch und weder mit den Grundprinzipien der Finanztaxonomie-Verordnung noch mit dem Erreichen der EU-Klimaziele vereinbar ist. Sogar der von der EU-Kommission eingesetzte Expertenbeirat f\u00fcr nachhaltige Finanzen lehnt diesen Entwurf ab.<\/p>\n<p>Wir freuen uns, dass sich am 14. Juni bereits in den zust\u00e4ndigen ENVI und ECON-Aussch\u00fcssen (Umwelt und Wirtschaft) des EU-Parlaments eine klare Mehrheit der Abgeordneten f\u00fcr eine Ablehnung des Kommissionsvorschlages zur Nachhaltigkeitsklassifikation von Atom und Gas ausgesprochen hat. Mit Blick auf die entscheidende Plenar-Abstimmung in der ersten Juliwoche appellieren wir deshalb an die luxemburgischen EU Abgeordneten nicht nur selbst gegen den Kommissionsvorschlag zu stimmen, sondern bis zur Abstimmung noch m\u00f6glichst viele andere Abgeordnetenkolleginnen und -kollegen davon zu \u00fcberzeugen, sowohl die nachhaltige Klassifikation der Gas- und Atomaktivit\u00e4ten als auch die demokratisch gesehen \u00e4u\u00dferst problematische Vorgehensweise der EU Kommission abzulehnen, da letztere hier eine hochkontroverse politische Entscheidungen mittels einem daf\u00fcr nicht vorgesehenen \u201edelegierten\u201c Rechtsaktes erzwingen will.<\/p>\n<p>Die Argumente der pro-Atom Organisationen, Firmen und Verb\u00e4nde, die 10 Jahre nach Fukushima leider wieder recht erfolgreich auf der politischen B\u00fchne, in der Presse und in den sozialen Medien verbreitet werden, lauten: Atomkraft sei sicher, billig, klimafreundlich und deshalb f\u00fcr eine schnelle Dekarbonisierung der Energieversorgung unentbehrlich. Die weltweit bekannten Fakten belegen allerdings eher das Gegenteil.<\/p>\n<p>Als Nationales Aktionskomitee gegen Atomkraft m\u00f6chten wir daran erinnern, dass die Atomtechnologie nicht nur zu gef\u00e4hrlich, zu teuer, zu langsam verf\u00fcgbar und keine gangbare L\u00f6sung f\u00fcr die Klimakrise ist \u2013 nicht mal als \u00dcbergangsl\u00f6sung &#8211; sondern die EU in Punkto Brennstoff ebenfalls komplett abh\u00e4ngig vom Ausland macht.<\/p>\n<p>Es wird in den Medien kaum erw\u00e4hnt, aber es gibt kein aktives Uranbergwerk in der EU und rund 40 Prozent der europ\u00e4ischen Importe von nat\u00fcrlichem Uran kommen aus Russland sowie dem alliierten Kasachstan. Weitere 20% stammen aus dem Niger. Dar\u00fcber hinaus produziert Russland 26 Prozent des in der EU ben\u00f6tigten angereicherten Urans und ganze 18 EU-Reaktoren (in Finnland, Tschechien, Ungarn, Slowakei, Bulgarien) k\u00f6nnen nur mit sechseckigen russischen Brennelementen betrieben werden. In der Schweiz beziehen sogar 2 von 3 AKW Uran f\u00fcr Brennelemente direkt vom russischen Staatskonzern Rosatom, dem zweitgr\u00f6\u00dften Uranproduzenten der Welt &#8211; hinter dem kasachischen Urankonzern Kazatomprom (<i>Quellen: EURATOM Jahresbericht 2020; Uran Atlas 2022<\/i>).<\/p>\n<p>Die Begr\u00fcndung der EU-Kommission, dass Atomkraft Europa unabh\u00e4ngiger von Gas-Importen machen w\u00fcrde, hat sich deshalb sp\u00e4testens mit dem Ukrainekrieg als komplett falsch herausgestellt. Anders als behauptet, tr\u00e4gt Atomkraft gerade nicht zur Versorgungssicherheit bei, sondern hat die europ\u00e4ische Energieabh\u00e4ngigkeit nur noch versch\u00e4rft.<\/p>\n<p>Auch sieht der Kommissions-Vorschlag keine strengen \u201eNachhaltigkeits\u201c-Anforderungen vor: Laufzeitverl\u00e4ngerungen bestehender Atomkraftwerke wie Cattenom, die zwischen jetzt und 2040 genehmigt w\u00fcrden, w\u00e4ren \u201egr\u00fcn\u201c. Der Bau und Betrieb neuer AKW, die bis 2045 genehmigt w\u00fcrden, w\u00e4ren ebenfalls \u201egr\u00fcn\u201c wenn sie die &#8220;besten verf\u00fcgbaren Technologien&#8221; anwenden, was bei einer Hochrisikotechnologie eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit sein m\u00fcsste. Forschung, Entwicklung und Betrieb neuer \u201egr\u00fcner\u201c Nukleartechnologien w\u00e4ren laut Text nur mit &#8220;minimalen&#8221; Abf\u00e4llen erlaubt, aber eine klare Definition, bzw. ein Schwellenwert f\u00fcr \u201eminimale\u201c Atomabf\u00e4lle wurde nicht festgelegt. Die EU-Mitgliedstaaten sollen zudem detaillierte Pl\u00e4ne aufstellen, um ein Endlager f\u00fcr hochradioaktive Abf\u00e4lle in Betrieb zu haben, allerdings erst 2050 \u2013 d.h. in 28 Jahren.<\/p>\n<div>\n<p>Wegen ihrer komplexen und unl\u00f6sbaren Probleme konnte die Atomkraft auch \u00fcber 6 Jahrzehnte hinweg nie zu einer globalen Alternative werden und spielt auch heute in 4\/5 aller Staaten keine Rolle. Die gr\u00f6\u00dfte Anzahl an aktiven Reaktoren gab es global vor 20 Jahren (2002) und das beste Jahr in Punkto Stromanteil liegt schon 26 Jahre zur\u00fcck (1996) (<i>Quelle:<\/i><i> <\/i><i>The World Nuclear Industry Status Report 2021<\/i>).<\/p>\n<p>In den 1960\u2018er Jahren glaubte man an eine saubere und sichere Atomkraft, die bald alle Energie-Probleme der Menschheit l\u00f6sen k\u00f6nnte und nach den \u00d6lpreisschocks der 70\u2019-80\u2019er Jahre erschien die Atomenergie manchen sogar als die einzige L\u00f6sung. Dass dies weder damals noch heute der Fall war oder ist, m\u00fcsste aber jedem klar sein; ebenso wie die seit 60 Jahren unver\u00e4nderten Probleme, Gefahren und Nachteile dieser Technologie: Unfallrisiko mit auf Jahrzehnte verseuchten Landstrichen, M\u00fcllproblematik als \u201eewige\u201c Erbschaft an den B\u00fcrger\/Steuerzahler, Atomwaffen Proliferationsrisiko, dreckiger Uran Abbau, kommerziell nicht versicherbar und ohne Subventionen auch nach 60 Jahren noch immer wirtschaftlich unrentabel \u2013 im Gengensatz zu den Erneuerbaren, AKWs als potenzielle terroristische und milit\u00e4rische Angriffsziele die mit gro\u00dfem Aufwand vor Eindringlingen, Sabotage, Drohnen, Flugzeugen \u00e0 la 9\/11, usw. gesch\u00fctzt werden m\u00fcssen \u2013 alles auf Kosten der Steuerzahler.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist Atomstrom verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig CO<sub>2<\/sub>-arm, doch einen signifikanten Beitrag zum weltweiten Klimaschutz, geschweige denn die versprochene Rettung kann die Atomindustrie in der Praxis gar nicht liefern \u2013 und das wei\u00df sie auch. Die aktuell weit \u00fcber 400 Atomreaktoren liefern lediglich 4% des weltweiten Prim\u00e4renergieverbrauchs und 10% der Elektrizit\u00e4t, aber ihr Durchschnittsalter betr\u00e4gt bereits 31 Jahre. Bevor die Atomenergie eine gr\u00f6\u00dfere Energieproduktions-Rolle spielen k\u00f6nnte, m\u00fcsste der rapide alternde Reaktor-Bestand zuerst einmal ersetzt werden. Doch davon kann keine Rede sein. Ganz im Gegenteil: die alternden Reaktoren sollen stattdessen einfach auf 40, 50, 60 oder mehr Jahre verl\u00e4ngert werden, mit entsprechend steigendem Risiko.<\/p>\n<p>Die Atomenergie kann auf Basis der Fakten in den n\u00e4chsten 30 Jahren keine Klima-Hilfe sein \u2013 daf\u00fcr ist sie zu teuer, zu langsam und zu gef\u00e4hrlich. Jeder der das Gegenteil behauptet ignoriert die Fakten und \u201ehofft\u201c lediglich darauf, dass AKWs in Zukunft schneller gebaut, billiger und sicherer werden und sich f\u00fcr das M\u00fcllproblem nach 70 Jahren Atomm\u00fcllproduktion endlich eine gangbare L\u00f6sung findet. In der realen Welt ist Atomenergie aber nicht nur eine Hochrisikotechnologie und ein Nischenplayer<strong>,<\/strong> sondern auch volkswirtschaftlicher Unsinn, viel zu langsam umsetzbar, zu kapitalintensiv und auf dem freien Markt nicht versicherbar.<\/p>\n<p>Atomenergie verschlingt bzw. bindet damit dringend ben\u00f6tigtes Finanzkapital, Rohstoffe\/Ressourcen, Wissenschaftler, Ingenieure, Handwerker, Arbeitsstunden, Forschungsgelder, usw. die alle wesentlich besser in den dringend ben\u00f6tigten Ausbau der Erneuerbaren, in Energieeffizienzma\u00dfnahmen, sowie in intelligente Netzinfrastruktur und Speichertechnologien investiert w\u00e4ren. Sie blockiert demnach sogar den notwendigen sozial-\u00f6kologischen Transformationsprozess der Energiewirtschaft und der Gesellschaft insgesamt, ohne den ambitionierte Klimaschutzziele nicht erreichbar sind. Wie bei der Klimakrise werden die Risiken und Kosten, die sowohl die Produktion von Atomstrom als auch die Verarbeitung und Endlagerung des Atomm\u00fclls mit sich bringen, auf die kommenden Generationen ausgelagert und auch das Argument einer gr\u00f6\u00dferen Unabh\u00e4ngigkeit der europ\u00e4ischen Energieversorgung durch den Ausbau der Atomenergie h\u00e4lt einer n\u00e4heren Analyse nicht stand.<\/p>\n<\/div>\n<p><b>Die Aufnahme der Atomkraft als nachhaltige Energiequelle in die EU-Taxonomie w\u00e4re ein herber R\u00fcckschlag f\u00fcr eine m\u00f6glichst schnelle, kosteng\u00fcnstige und \u00f6kologisch nachhaltige Energiewende. Wir bitten Sie deshalb, in Bezug auf die anstehende Plenarabstimmung, nicht nur selbst mit \u201aNein\u2018 zu stimmen, sondern auch in den eigenen politischen Fraktionen \u00dcberzeugungsarbeit zu leisten und ein EU-Atom-Greenwashing zu verhindern! <\/b><\/p>\n<hr \/>\n<h6>Mouvement Ecologique, Greenpeace, OGBL, LSAP, d\u00e9i gr\u00e9ng, Forum, d\u00e9i jonk gr\u00e9ng, DP, FGFC, Luxemburger Kommission Justitia et Pax, LCGB, L\u00ebtzebuerger Guiden a Scouten, Fairtrade L\u00ebtzebuerg asbl, d\u00e9i L\u00e9nk, Klima-B\u00fcndnis L\u00ebtzebuerg, Eurosolar, Syprolux, natur&amp;\u00ebmwelt asbl, Friddens- a Solidarit\u00e9itsplattform asbl, Ligue CTF, Piratepartei, JSL-jonk Sozialisten, FNCTTFEL-Landesverband.<\/h6>\n<p><\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":3195,"template":"","categorie_communiques":[41],"syndicat":[],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v23.1 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\r\n<title>Kein gr\u00fcnes Finanz-Label f\u00fcr Atom &amp; Gas - Etikettenschwindel mit der Parlaments-Abstimmung Anfang Juli stoppen! - OGBL<\/title>\r\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\r\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.ogbl.lu\/communique\/kein-grunes-finanz-label-fur-atom-gas-etikettenschwindel-mit-der-parlaments-abstimmung-anfang-juli-stoppen\/\" \/>\r\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\r\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\r\n<meta property=\"og:title\" content=\"[:de]Kein gr\u00fcnes Finanz-Label f\u00fcr Atom &amp; Gas - Etikettenschwindel mit der Parlaments-Abstimmung Anfang Juli stoppen![:en]Kein gr\u00fcnes Finanz-Label f\u00fcr Atom &amp; Gas - Etikettenschwindel mit der Parlaments-Abstimmung Anfang Juli stoppen![:] - OGBL\" \/>\r\n<meta property=\"og:description\" content=\"Fast heimlich ist die EU-Kommission am 31. 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