{"id":2771,"date":"2021-02-18T14:52:29","date_gmt":"2021-02-18T13:52:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ogbl.lu\/communiques\/la-realite-meconnue-du-secteur-des-architectes-et-des-ingenieurs"},"modified":"2023-06-14T09:31:05","modified_gmt":"2023-06-14T07:31:05","slug":"la-realite-meconnue-du-secteur-des-architectes-et-des-ingenieurs","status":"publish","type":"communiques","link":"https:\/\/www.ogbl.lu\/de\/communique\/la-realite-meconnue-du-secteur-des-architectes-et-des-ingenieurs\/","title":{"rendered":"Unbeachtete Realit\u00e4ten im Architektur- und  Bauingenieurbereich"},"content":{"rendered":"<p>Die Berufe Architekt und Ingenieur erwecken im kollektiven Bewusstsein Bewunderung. Die Planung unserer gebauten Umwelt ist elementar f\u00fcr die nachhaltige Weiterentwicklung unserer Gesellschaft. Hinter die Fassade schauend, wird schnell klar: die Arbeitsbedingungen von BauingenieurInnen und ArchitektInnen sind alles andere als rosig.<\/p>\n<p>Das Syndikat Dienstleistungen und Energie hat sich in den letzten Monaten \u00fcber die schwierigen Bedingungen, die ArbeitnehmerInnen im Ingenieur- und Architektursektor antreffen, mit den verschiedenen AkteurInnen ausgetauscht. Niedrige L\u00f6hne, viele unbezahlte \u00dcberstunden, Stress und Druck, minimale Urlaubstage, bei denen es nicht einmal allen erm\u00f6glicht wird, sie wahr zu nehmen oder die nur zu vorgegebenen Momenten zu nehmen sind, stellen sich als weit verbreitet heraus.<\/p>\n<p><strong>Schlechte Bezahlung<\/strong><\/p>\n<p>Die Bezahlung im Sektor reflektiert in den Augen des OGBL in keiner Weise das mindestens 5-j\u00e4hrige Universit\u00e4tsstudium, die gro\u00dfe Verantwortung oder die Intensit\u00e4t des Arbeitsalltags. Viele ArbeitnehmerInnen steigen mit dem qualifizierten Mindestlohn ein und sehen diesen auch nach mehreren Jahren nicht gro\u00df gesteigert. \u00d6fters kommt es auch vor, dass Universit\u00e4tsabg\u00e4ngerInnen zuerst ein unbezahltes oder unterbezahltes Praktikum angeboten wird, mit der Aussicht auf einen regul\u00e4ren Arbeitsplatz zu sp\u00e4terer Zeit. So kommt es zu Situationen, wo Personen erst nach einem Jahr zu einem unbefristeten Arbeitsvertrag kommen. Die Schwierigkeiten, die junge Menschen ohnehin schon auf dem derzeitigen Wohnungsmarkt haben, werden durch befristete Arbeitsvertr\u00e4ge noch versch\u00e4rft. Diese unsicheren Verh\u00e4ltnisse in denen sich Berufsanf\u00e4ngerInnen wiederfinden verurteilt das Syndikat Dienstleistungen und Energie aufs sch\u00e4rfste. Viele Angestellte bem\u00e4ngeln, dass es an Lohntransparenz fehlt, oft ist nicht klar wie oder wann man zu einer Gehaltserh\u00f6hung kommen kann. Es fehlt vielen an Karriereperspektiven, in die sie sich hineinprojizieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Kultur der \u00dcberstunden<\/strong><\/p>\n<p>Dass phasenweise \u00dcberstunden anfallen, z.B. wenn eine Abgabe bevorsteht, liegt in der Natur des Berufes. Wo es jedoch zu einem Problem wird, ist wenn diese \u00dcberstunden sich normalisieren und es quasi keine Woche ohne \u00dcberstunden gibt. Oft werden diese \u00dcberstunden nicht einmal erfasst. In manchen B\u00fcros werden nur bei bestimmten Ausnahmef\u00e4llen, wenn es abends mal \u00fcberdurchschnittlich lange dauert hier und da eine Stunde aufgeschrieben. In anderen B\u00fcros werden Stunden nach 19 Uhr nicht mehr vom Z\u00e4hler verbucht.\u00a0 Dies f\u00fchrt zu einer chronischen \u00dcberarbeitung und hat gesundheitliche Folgen. Aus einer Studie vom europ\u00e4ischen Architects Council geht hervor, dass angestellte ArchitektInnen in Luxemburg im Schnitt 44,7 Stunden pro Woche arbeiten. Andere internationale Studien zeigen auf, dass um die 20\u2009% der ArchitektInnen im Schnitt auf mehr als 49 Stunden-Wochen kommen. Darunter leidet nat\u00fcrlich die sogenannte \u201ework-life balance\u201c und das bringt gesundheitliche Probleme wie Burnout und Depressionen mit sich.<\/p>\n<p>In den meisten B\u00fcros gibt es lediglich die gesetzliche Mindestanzahl an freien Tagen. Doch auch die sind in der Praxis \u00f6fters nur auf dem Papier vorgesehen. Viele Angestellte erz\u00e4hlen davon wie sie ein schlechtes Gewissen vermittelt bekommen, wenn sie ihre Urlaubstage anfragen, weil es ungern gesehen wird, auf alle freien Tage zu bestehen und Anfragen lange unbeantwortet bleiben. Andere berichten, dass ihnen die Freistellung ungesetzm\u00e4\u00dfig und mit viel zu kurzer Vorlaufzeit zu bestimmten Tagen festgelegt werden.<br \/>\nDie meisten ArchitektInnen und IngenieurInnen legen gro\u00dfe Begeisterung f\u00fcr ihre Arbeit an den Tag, jedoch macht sich durch Arbeitsbedingungen und die schlechte Bezahlung unter dem Strich eine gewisse Verzweiflung breit. Die mangelnden Perspektiven bringen viele Besch\u00e4ftigte dazu sich selbst und ihre Arbeit als ungesch\u00e4tzt oder gar abgewertet zu betrachten.<\/p>\n<p><strong>In den Dialog treten<\/strong><\/p>\n<p>Das Syndikat Dienstleistungen und Energie hat in den vergangenen Monaten Unterredungen mit unterschiedlichen AkteurInnen des Sektors angefragt. Die erste Besprechung fand im November mit dem OAI (Ordre des Architectes et Ing\u00e9nieurs-conseils) statt. Aus ihrer Sicht bedauern sie die hohe Zahl an Krankmeldungen und die \u201eFlucht\u201c vieler Arbeitnehmerinnen in den \u00f6ffentlichen Sektor. F\u00fcr den OGBL zeigen diese beiden Ph\u00e4nomene jedoch eindeutig auf schlechte Arbeitsbedingungen und Unterbezahlung hin. Die Architekten- und Bauingenieurskammer erkl\u00e4rt die niedrigen L\u00f6hne im Sektor mit niedrigen Jahresums\u00e4tzen von Architektur- und Bauingenieurbetrieben. Das Syndikat Dienstleistungen und Energie kann sich hinter die Forderung des OAI stellen, dass die Umverteilung auf mehreren Ebenen stattfinden muss und nicht nur innerhalb der Betriebe selbst. Dass es nicht die Architektur- und Ingenieurfirmen sind, die an den exorbitanten Preisen am Wohnungsmarkt verdienen, wird durch diese Analyse klar. Es wird schnell sichtbar, dass die Wohnungsmarktkrise auch Auswirkungen auf den Sektor und die darin Besch\u00e4ftigten hat. Die Personen, die die intellektuelle Arbeit zur Konzipierung unserer gebauten Umwelt aufbringen, sind nicht dementsprechend an den Gewinnen beteiligt\u00a0 und die Betroffenen sind sogar oft nicht in der Lage, die finanziellen Kosten einer Eigentumswohnung zu tragen.<\/p>\n<p>Weitere Besprechungen fanden mit Vertretern der Universit\u00e4t Luxemburg (Bachelorstudiengang Bauingenieur und Masterstudiengang Architektur) statt. Es wurde klar, dass es trotz vielen Gemeinsamkeiten auch einige Unterschiede zwischen beiden Studien gibt. Beide Vertreter w\u00fcnschen sich mehr Studierende aus Luxemburg im Studium und sehen eine Aufwertung des Berufs als verfolgenswert. Wenn \u00fcber die Arbeitsbedingungen der heutigen ArbeitnehmerInnen diskutiert wird, d\u00fcrfen die zuk\u00fcnftigen ArbeitnehmerInnen nicht vergessen werden. Denn schon im Studium werden lange Stunden auf den Projekten verbracht und die Studierenden schon daran gew\u00f6hnt, diese Kultur der normalisierten \u00dcberstunden zu verinnerlichen.<\/p>\n<p>Eine Unterredung mit der Studierendenvertretung ANEIL, die sowohl Ingenieur- wie auch Architekturstudierende vertritt, war ein guter erster Begegnungspunkt. Die ANEIL zeigte sich interessiert daran in der Zukunft auch GewerkschaftsvertreterInnen auf ihre j\u00e4hrlich stattfindende Diskussionsrunde einzuladen und den Studierenden diesen Aspekt der Arbeitswelt n\u00e4her zu bringen.<\/p>\n<p><strong>Erste Organisierungsschritte<\/strong><\/p>\n<p>Es ist zu bemerken, dass im Sektor viele Personen ihre Rechte nicht ausreichend kennen oder Schwierigkeiten haben, diese geltend zu machen. Es herrschen Unsicherheit und Unzufriedenheit unter den Besch\u00e4ftigten. In der Vergangenheit gab es wenig Organisierungsversuche im Sektor. Durch After-Work-Treffen, organisiert vom Syndikat Dienstleistungen und Energie, konnten sich einige ArbeitnehmerInnen in den letzten Monaten zusammen finden um die Problematiken in ihrem Beruf zu diskutieren und L\u00f6sungsans\u00e4tze so wie Forderungen zu formulieren. Diese Treffen haben den TeilnehmerInnen aufgezeigt, dass die von ihnen genannten Probleme nicht nur sie pers\u00f6nlich treffen. Die Individualisierung ist eine gro\u00dfe H\u00fcrde, die die Gewerkschaftsbewegung auch unter ArchitektInnen und IngenieurInnen antrifft und \u00fcberwinden muss. Das OGBL-Syndikat Dienstleistungen und Energie erfreut sich \u00fcber alle neuen Mitglieder.<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":3426,"template":"","categorie_communiques":[54],"syndicat":[73],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v23.1 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\r\n<title>Unbeachtete Realit\u00e4ten im Architektur- und Bauingenieurbereich - OGBL<\/title>\r\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\r\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.ogbl.lu\/communique\/la-realite-meconnue-du-secteur-des-architectes-et-des-ingenieurs\/\" \/>\r\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\r\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\r\n<meta property=\"og:title\" content=\"[:fr]La r\u00e9alit\u00e9 m\u00e9connue du secteur des architectes et des ing\u00e9nieurs[:de]Unbeachtete Realit\u00e4ten im Architektur- und Bauingenieurbereich[:en]La r\u00e9alit\u00e9 m\u00e9connue du secteur des architectes et des ing\u00e9nieurs[:] - OGBL\" \/>\r\n<meta property=\"og:description\" content=\"Die Berufe Architekt und Ingenieur erwecken im kollektiven Bewusstsein Bewunderung. 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