{"id":102627,"date":"2026-06-19T09:54:08","date_gmt":"2026-06-19T07:54:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.ogbl.lu\/?post_type=communiques&#038;p=102627"},"modified":"2026-06-19T09:58:24","modified_gmt":"2026-06-19T07:58:24","slug":"un-malaise-qui-ne-peut-plus-etre-ignore","status":"publish","type":"communiques","link":"https:\/\/www.ogbl.lu\/de\/communique\/un-malaise-qui-ne-peut-plus-etre-ignore\/","title":{"rendered":"Eine Realit\u00e4t, die nicht l\u00e4nger ignoriert werden darf"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gewalt in der Schule wird h\u00e4ufig als eine Aneinanderreihung einzelner Vorf\u00e4lle dargestellt. Die Ergebnisse der vom SEW\/OGBL unter 1.115 Bildungsfachkr\u00e4ften durchgef\u00fchrten Umfrage zeigen jedoch, dass es sich um ein weitaus tiefergehendes Ph\u00e4nomen handelt, das nicht nur die Sch\u00fcler, sondern auch Lehrkr\u00e4fte und p\u00e4dagogisches Personal betrifft.<\/strong><\/p>\n<p>Fast drei Viertel der Befragten geben an, in den vergangenen zw\u00f6lf Monaten psychische und\/oder k\u00f6rperliche Gewalt erlebt zu haben. Beleidigungen, unbegr\u00fcndete Anschuldigungen, Drohungen, Dem\u00fctigungen oder k\u00f6rperliche \u00dcbergriffe geh\u00f6ren inzwischen zum Alltag vieler Lehrkr\u00e4fte. Noch besorgniserregender ist, dass laut Umfrage fast 40\u2005% der Betroffenen mindestens einmal pro Woche oder sogar t\u00e4glich mit solchen Situationen konfrontiert werden.<\/p>\n<p>Die gesammelten Erfahrungsberichte zeigen ein beunruhigendes Ph\u00e4nomen: die Banalisierung von Gewalt. Mehrere Teilnehmende erkl\u00e4ren, dass sie bestimmte aggressive Verhaltensweisen nach und nach als Teil ihres Berufs akzeptiert h\u00e4tten.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\">Ich wurde geschlagen aber es war nicht fest.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>(Kommentar einer Lehrerin in unserer Umfrage)<\/em><\/p>\n<p>Dabei sollte kein Beruf Beleidigungen, Drohungen oder \u00dcbergriffe als \u201enormale\u201c Alltagsrisiken betrachten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Zwar sind Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler die Hauptverursacher der gemeldeten Gewaltvorf\u00e4lle, die Umfrage beleuchtet jedoch auch die Rolle bestimmter Eltern. Fast ein Drittel der Befragten gibt an, Opfer verbaler oder psychischer Angriffe durch Eltern oder Erziehungsberechtigte geworden zu sein. Aggressives Verhalten, Dem\u00fctigungen, Drohungen oder Anfeindungen im Internet tragen zus\u00e4tzlich dazu bei, Lehrkr\u00e4fte zu belasten, die ohnehin bereits unter erheblichem Druck stehen.<\/p>\n<p>Ein weiterer Teil der Umfrage befasst sich mit Gewalt zwischen Sch\u00fclern. Mehr als 80\u2005% der Teilnehmenden geben an, im vergangenen Jahr Zeugen schwerwiegender Vorf\u00e4lle geworden zu sein. Mobbing, psychische Gewalt, Dem\u00fctigungen, Online-Angriffe, Erpressung oder Schl\u00e4gereien werden regelm\u00e4\u00dfig in den Schulen beobachtet. F\u00fcr mehr als die H\u00e4lfte der Befragten treten solche Vorf\u00e4lle mehrmals pro Woche auf.<\/p>\n<p>Diese Situationen haben erhebliche Auswirkungen auf das Schulklima. Mehrere Kommentare berichten von Sch\u00fclern, die sich in der Schule nicht mehr sicher f\u00fchlen, sowie von Eltern, die um den Schutz ihrer Kinder besorgt sind. Einige Erfahrungsberichte erw\u00e4hnen sogar Familien, die sich aufgrund wiederholter Gewalterfahrungen entschieden haben, ihr Kind von einer Schule zu nehmen.<\/p>\n<p>Eine der besorgniserregendsten Feststellungen betrifft jedoch den Umgang mit solchen Situationen. Mehr als 70\u2005% der Befragten sind der Ansicht, dass Gewaltvorf\u00e4lle nicht systematisch erfasst werden. Viele sind zudem der Meinung, dass die Verursacher nur selten tats\u00e4chliche Konsequenzen zu tragen haben. Die ergriffenen Ma\u00dfnahmen beschr\u00e4nken sich h\u00e4ufig auf Gespr\u00e4che oder p\u00e4dagogische Ma\u00dfnahmen, deren Wirksamkeit als unzureichend bewertet wird.<\/p>\n<p>\u201eWenn solche F\u00e4lle der Direktion gemeldet werden, fragt die Direktion: \u201aWas haben Sie vor zu tun?\u2018 oder \u201aWas k\u00f6nnen Sie besser machen?\u2018 Das verst\u00e4rkt die Schuldgef\u00fchle, die man in solchen Situationen ohnehin hat.\u201c<\/p>\n<p>Die Folgen f\u00fcr die Gesundheit des Personals sind erheblich. Drei Viertel der Befragten geben an, Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden versp\u00fcrt zu haben: Angstzust\u00e4nde, chronischer Stress, Schlafst\u00f6rungen, psychosomatische Beschwerden oder Burn-out. Insgesamt erkl\u00e4ren 246 Personen, dass sie aufgrund von Gewalterfahrungen im schulischen Kontext bereits krankgeschrieben waren.<\/p>\n<p>Diese Realit\u00e4t gef\u00e4hrdet auch die Attraktivit\u00e4t des Berufs. Fast zwei Drittel der Teilnehmenden geben an, aufgrund der erlebten Gewalt bereits dar\u00fcber nachgedacht zu haben, ihre Arbeitszeit zu reduzieren oder den Beruf ganz aufzugeben.<\/p>\n<p>Diese Ergebnisse m\u00fcssen alle Akteure des Bildungssystems und insbesondere das Bildungsministerium zum Handeln bewegen. Gewalt an Schulen ist kein Randph\u00e4nomen. Sie beeintr\u00e4chtigt die Lernbedingungen der Sch\u00fcler, die Gesundheit des Personals und das Funktionieren der Schulen. Angesichts dieser Situation ist es unerl\u00e4sslich, die Pr\u00e4vention zu st\u00e4rken, eine systematische Erfassung der Vorf\u00e4lle sicherzustellen, das Personal besser zu sch\u00fctzen und tats\u00e4chlich wirksame Ma\u00dfnahmen umzusetzen. Ein sicheres Umfeld f\u00fcr Sch\u00fcler ebenso wie f\u00fcr die Bildungsfachkr\u00e4fte zu gew\u00e4hrleisten, ist heute eine Notwendigkeit.<\/p>\n<p><strong>Dieser Artikel wurde im Aktuell ver\u00f6ffentlicht (3\/2026)<\/strong><\/p>","protected":false},"author":4,"featured_media":102628,"template":"","categorie_communiques":[49],"syndicat":[77],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v23.1 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\r\n<title>Eine Realit\u00e4t, die nicht l\u00e4nger ignoriert werden darf - OGBL<\/title>\r\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\r\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/www.ogbl.lu\/communique\/un-malaise-qui-ne-peut-plus-etre-ignore\/\" \/>\r\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\r\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\r\n<meta property=\"og:title\" content=\"[:fr]Un malaise qui ne peut plus \u00eatre ignor\u00e9[:de]Eine Realit\u00e4t, die nicht l\u00e4nger ignoriert werden darf[:] - OGBL\" \/>\r\n<meta property=\"og:description\" content=\"Gewalt in der Schule wird h\u00e4ufig als eine Aneinanderreihung einzelner Vorf\u00e4lle dargestellt. 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