19 März 2020

COVID-19

Das Personal im Gesundheits- und Sozialwesen braucht eine Wertschätzung die über warme Worte hinausgeht

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Ohne Zweifel wäre die aktuelle Krise nicht zu überwinden, wären da nicht die zahlreichen Pflegekräfte und Sozialberufe, die tagtäglich im Einsatz sind, um unsere Gesellschaft und vor allem ihre schwächsten Mitglieder bestmöglich vor der Pandemie des Covid-19 zu schützen. In Momenten wie diesen dürfte es allen Menschen bewusstwerden, dass insbesondere diese Berufe das Rückgrat unserer Gesellschaft bilden. Wir müssen ihnen jetzt mehr denn je, in ihrem unermüdlichen Einsatz die bestmöglichen Arbeitsbedingungen garantieren, vor allem, weil sie der Krankheit heute am stärksten ausgesetzt sind.

Jahrelang hat das Syndikat Gesundheit und Sozialwesen des OGBL auf die Gefahren der neoliberalen Auslagerungspolitik und die damit einhergehenden schwierigen Arbeitsbedingungen, sowie den akuten Personalmangel in diesen Bereichen, aufmerksam gemacht. Die Folgen solcher wirtschaftlichen Tendenzen waren noch nie so spürbar wie heute. Wir dürfen diese Fehler in diesen Tagen nicht wiederholen geschweige denn verstärken!

Es kann nicht sein, dass heute wirtschaftliche und budgetäre Überlegungen überwiegend die Arbeitsgestaltung derer bestimmen, die in erster Linie im Kampf gegen das Coronavirus stehen. Das Syndikat Gesundheit und Sozialwesen des OGBL fordert, dass keine Pflegekraft durch Arbeitsplanänderungen im Zusammenhang mit der aktuellen Krise benachteiligt wird oder gar gezwungen wird Überstunden abzubauen, während sie sich auf den Ernstfall vorbereiten muss. Wenn das Personal in dieser Ausnahmesituation bereit ist kurzfristig auf Abruf arbeiten zu kommen, dann soll dies auch dementsprechend vergütet werden.

Darüber hinaus müssen wir sicherstellen, dass auch die Pflegekräfte in der Altenpflege sich adäquat in der Ausübung ihrer Berufe vor einer möglichen Infektion schützen können. Nur so ist es möglich unsere älteren Mitmenschen, die das Virus am härtesten treffen kann, bestmöglich zu betreuen und unnötige Risiken zu vermeiden. Hier liegt die Verantwortlichkeit bei der Politik und den Krankenhausdirektionen alles nur Menschenmögliche zu unternehmen um ausreichend Material und Desinfektionsmittel zu beschaffen.

Das Syndikat Gesundheit und Sozialwesen weist ebenfalls auf skandalöse Entwicklungen im Bereich der kommerziellen Kinderbetreuung hin, wo trotz der angebotenen Hilfen vom Staat durch die aktuellen Maßnahmen sozialpädagogisches Personal entlassen wird. Der OGBL fordert hier über die normalen gesetzlichen Regelungen einen klaren Kündigungsschutz, der ebenfalls auf das Personal was sich noch in der Probezeit befindet ausgeweitet wird.

Auch den Einsatz von Sozialarbeitern und Sozialpädagogen ist durch die aktuelle Pandemie wesentlich komplexer geworden. In ihrer täglichen Arbeit in Familien, mit Kindern, Menschen mit einer Behinderung oder mit Obdachlosen müssen verstärkte Hygienemaßnahmen getroffen werden. Darüber hinaus müssen die neuen Herausforderungen der Sozialarbeit ebenfalls mit optimalen Arbeitsbedingungen einhergehen sowie verstärkter psychologischer und gesundheitlicher Betreuung.

In Zeiten wo Solidarität großgeschrieben wird und die Arbeitnehmer des Gesundheits- und Sozialsektors in den sozialen Medien als Helden gefeiert werden, ist es ein Skandal, dass stellenweise wirtschaftliche Interessen noch immer über den gesellschaftlichen stehen. Das Syndikat Gesundheit- und Sozialwesen fordert, dass Rahmenbedingungen geschaffen werden, die diesen Helden gerecht werden und ihnen die Möglichkeit geben, sich selbst und unsere Gesellschaft bestmöglich zu schützen.

Mitgeteilt vom OGBL-Syndikat Gesundheit und Sozialwesen
am 19. März 2020

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