• Home
  •  | 
  • Die Lohnpolitik in Luxemburg und die Rolle der Gewerkschaften

Die Lohnpolitik in Luxemburg und die Rolle der Gewerkschaften

In Luxemburg muss man zwischen drei sich ergänzenden Bereichen der Lohnpolitik unterscheiden:

I. dem gesetzlichen Mindestlohn;
II. der gesetzlich geregelten Anpassung der Löhne und Gehälter an die Preisentwicklung (d.h. an die Inflation) und
III. den Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern (Arbeitstarifverträge).

I. Gesetzlicher Mindestlohn

Der gesetzliche Mindestlohn wird per Gesetz festgelegt und unterliegt einer Indexanpassung gemäß der Inflationsrate. Seit dem 1. Oktober 2011 beläuft sich der gesetzliche Mindestlohn auf 1.801,49 Euro pro Monat. Qualifizierte Arbeitnehmer erhalten einen Zuschlag von 20%, also 2.161,78 Euro.

Der gesetzliche Mindestlohn stellt das Rückgrat des Netzes der sozialen Sicherheit dar. In der Regel wird der soziale Mindestlohn alle zwei Jahre an die allgemeine Entwicklung der Löhne und Gehälter angepasst. Diese Anpassung hat aber nichts mit der Indexanpassung der Löhne und Gehälter
(Index) zu tun. Sie erfolgt zuzüglich zur Indexanpassung.

II. Automatische Indexanpassung der Löhne und Gehälter („lndex”)

Das gesetzlich verankerte System der automatischen Anpassung der Löhne und Gehälter an die Inflation (Index) ist einzigartig in Europa und stellt ein wichtiges Instrument für die soziale Gerechtigkeit und den sozialen Frieden in Luxemburg dar und ist ein strukturierendes Element der Luxemburger Variante der sozialen Marktwirtschaft. Eine Indexanpassung oder Indextranche bedeutet eine Erhöhung sämtlicher Löhne und Gehälter, Renten und Arbeitslosenentschädigungen von 2,5%.

Die Indexanpassung ist kein Instrument der Lohnpolitik im eigentlichen Sinn, sondern dient dem Erhalt der Kaufkraft aller Bürgerinnen und Bürger. Es handelt sich um eine Kompensation für eine bereits stattgefundene Preisentwicklung Inflation).

III. Im Rahmen von Tarifverträgen ausgehandelte Löhne und Gehälter

Die Indexanpassung der Löhne und Gehälter an die Inflationsrate ist nicht Gegenstand der Tarifverhandlungen, also der Aushandlung von Kollektivverträgen. Sie ist bereits automatisch durch das sogenannte Index-Gesetz geregelt. Folglich geht es bei der Aushandlung der Tarifverträge ausschließlich um die reale Entwicklung der Löhne und Gehälter (zuzüglich zu der Anpassung der Löhne und Gehälter an die Inflation). Für die Gewerkschaften bedeutet die „reale Entwicklung der Löhne und Gehälter“ die Anpassung der Löhne und Gehälter an die Entwicklung der Produktivitätsrate und der Geschäftsergebnisse der Unternehmen.

Die oberste Priorität in diesem Bereich muss für alle Gewerkschaften die Aushandlung fortlaufender, also endgültiger Verbesserungen sein (im Gegensatz zu einmaligen Verbesserungen, wie beispielsweise einer einmaligen Prämie). Fortlaufende Verbesserungen umfassen unter anderen die lineare Entwicklung der Löhne und Gehälter, progressive Gehaltstabellen (berufliche Laufbahn) und eine definitive Verkürzung der Arbeitszeit (Aufstockung der Anzahl der bezahlten Urlaubstage, Einführung von bezahlten Ruhezeiten, usw.).

Der OGBL ist derzeit bei etwa 70% aller im Großherzogtum Luxemburg abgeschlossenen Tarifverträge federführend. In den meisten Fällen handelt es sich bei den vom OGBL ausgehandelten Verbesserungen um endgültige.

Ungefähr 54% der in Luxemburg Beschäftigten sind durch einen Tarifvertrag abgedeckt. Diese kollektiven Arbeitsverträge (im Gegensatz zu individuellen Arbeitsverträgen) garantieren Schutz und Sicherheit sowie Arbeitsbedingungen, die sich stetig verbessern. Mehr als je zuvor gilt es heute dieses wichtige Instrument zu verteidigen, das es uns erlaubt die Arbeitsbeziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu regeln, sei es auf Unternehmensebene oder in den verschiedenen Berufszweigen. Eine der Hauptaufgaben des OGBL besteht darin, sich unermüdlich dafür einzusetzen, dass nach und nach alle Arbeitnehmer des Privatsektors von den Vorteilen dieses Instruments profitieren können. Andernfalls werden die Arbeitgeber versuchen einen großen Teil derjenigen Arbeitnehmer, die eben nicht durch einen Tarifvertrag abgedeckt sind, auf dem Niveau des gesetzlichen Mindestlohns zu bezahlen. Selbst in einem reichen Land wie Luxemburg würde dies letzten Endes die Rückkehr der Armut bedeuten. Viele Gründe also, um dem OGBL beizutreten!

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.