17 Januar 2013

Die Jugend braucht Arbeitsplätze – keine Beschimpfungen!

„Die heutige Jugend ist faul“ und „wer arbeiten will, der findet einen Job“. Mit solchen Beschimpfungen über eine angebliche Null-Bock-Generation schallt es in den letzten Tagen aus verschiedenen Ecken. Mit anderen Worten heißt das, dass die heutige Jugend faul, dumm, unmotiviert und dazu noch arbeitsscheu ist. Im Visier sind besonders die unqualifizierten jungen Menschen, die sich scheinbar zu wählerisch und anspruchsvoll bei der Arbeitssuche zeigen.

Die Jugendabteilung des OGBL zeigt sich besorgt über diese Äußerungen und warnt vor einer unehrlichen Debatte, die lediglich auf Vorurteilen und falschen Informationen fußt.

Die „Jugend von heute“ hat laut der „Jugend von gestern“ immer weniger auf dem Kasten?
Das Gejammer über die angebliche Faulheit und Dummheit der Jugendlichen leistet keinen konstruktiven Beitrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, ganz im Gegenteil stigmatisiert es ganze Generationen, die sich nur allzu oft in prekären Arbeits- und Lebenssituationen befinden. Junge Menschen sind überproportional von dem Defizit an menschenwürdiger Arbeit und von Arbeitsplätzen geringerer Qualität betroffen, was sich in Armut trotz Erwerbstätigkeit, niedriger Bezahlung und einem geringen Beschäftigungsstatus ausdrückt.

Wird in einzelnen Bereichen überhaupt genug ausgebildet?
Das Interesse hinter diesen Reden kann nur sein, die gesellschaftliche Verantwortung für die Ausbildungsprobleme auf die Jugendlichen zu übertragen. Genannt wurde das Beispiel des aufblühenden Horeca-Bereichs (Hotels, Restaurants und Gaststätten), wo Jugendliche sich zu schade wären einen Beruf auszuüben. Die Jugendabteilung des OGBL erinnert diesbezüglich an die Studie des Erziehungs- und Ausbildungsministeriums die aufweist, dass weniger als die Hälfte der CATP-Absolventen einen unbefristeten Kontrakt bekommt. Ist es nicht vielmehr so, dass die Arbeitgeber des Horeca-Bereichs die Einführung eines sektoriellen Kollektivvertrags vehement ablehnen, um die Gehälter niedrig zu halten? Wie viele werden dort überhaupt in prekären Verhältnissen beschäftigt und arbeiten ohne abgesicherten Vertrag? Ferner stellt sich die Frage, ob in diesem Bereich genügend Ausbildungsplätze angeboten werden.

RMG-Bezieher sind keine Schmarotzer!
Absolut kein Verständnis hat die Jugendabteilung für die Pauschalisierung, dass viele Menschen das soziale System bewusst ausnutzen und es rentabler wäre ein garantiertes Mindesteinkommen (RMG) zu beziehen als für den Mindestlohn einer Arbeit nachzugehen. Diese Behauptung, dass Jugendliche durch solche Anreize befähigt werden Arbeitsstellen zu verweigern, um sich lieber faul zu Hause auf Staatskosten auszuruhen, ist ein Hohn! Sei daran erinnert, dass ein Antragsteller um die Leistungen in Anspruch nehmen zu dürfen, mindestens 25 Jahre alt sein muss, es sei denn dieser erzieht ein Kind oder pflegt eine Person.

Die Aussage, dass RMG-Bezieher auch noch auf dem Wohnungsmarkt privilegiert werden, da sie eine Sozialwohnung beziehen, sich um nichts kümmern und in der schönsten Umgebung wohnen dürfen, ist an Frechheit wohl kaum zu überbieten.

Die Jugendabteilung unterstreicht, dass die Bestimmungen zum garantierten Mindesteinkommen streng geregelt und mit konkreten Eingliederungsmaßnahmen verbunden sind. Faulheit ist sicherlich kein Grund um einen RMG genehmigt zu bekommen! In der Diskussion darf vor allem nicht vergessen werden, dass der RMG als soziales Instrument zur Bekämpfung der sozialen Ausgrenzung eingeführt wurde, um eine Wiedereingliederung in ein selbständiges Leben auf dem ersten Arbeitsmarkt ohne öffentliche Unterstützung zu ermöglichen. Verweigert ein RMG-Bezieher während seiner Eingliederungszeit eine vorgeschlagene Arbeitsmaßnahme, so verliert er seinen Anspruch auf ein garantiertes Mindesteinkommen.

Anstelle von Polemik – abgesicherte Jobs!
Befristete Arbeitsverträge und prekäre Arbeitsverhältnisse scheinen für junge Menschen zur Norm zu werden. Nach den letzten statistischen Angaben ist die Arbeitslosenquote der unter 25-jährigen mehr als doppelt so hoch (14,5%) wie die aller Arbeitsuchenden (6,2%). Daneben sind noch 6,6% in einem CAE und 18,7% in einem CIE beschäftigt. In Bezug auf die Einschreibungszeit beim Arbeitsamt ist festzustellen, dass die Zahl der jungen Arbeitsuchenden in den ersten sechs Monaten am höchsten ist und im Vergleich zu anderen Alterskategorien diese Gruppe weniger von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen ist.

Jungen Menschen Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen ist eine wichtige Aufgabe unserer Gesellschaft. Denn die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und persönlichen Folgen von lang andauernder Jugendarbeitslosigkeit sind fatal. Die Jugendabteilung des OGBL erinnert erneut an ihre Forderung eines nationalen Aktionsplans, der klare Prioritäten im Bereich der Jugendbeschäftigung festlegt und Maßnahmen zur Förderung der Jugendbeschäftigung sicherstellt.

Kein Unternehmen kann erwarten, dass es einen fertigen Erwachsenen vor die Nase gestellt kriegt, der schon eine vollwertige Fachkraft ersetzen kann. Jeder junge Mensch hat die Chance verdient, sich gemäß seiner Möglichkeiten frei zu entfalten und die Betriebe stehen in der sozialen und wirtschaftlichen Verantwortung für den Nachwuchs zu sorgen.

Mit Vorurteilen und boshaften Unterstellung werden wir die Beschäftigungsproblematik junger Menschen bestimmt nicht in den Griff bekommen! Die Jugendabteilung des OGBL verurteilt eine solche politische Haltung aufs Schärfste und fragt sich ernsthaft bei wem schlussendlich ein Mentalitätswechsel her muss!

Mitgeteilt von der Jugendabteilung des OGBL
am 17. Januar 2013

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