20 September 2012

Jugendbeschäftigungspolitik

NEET? Need a job!

Entsprechende Statistiken beweisen, dass in Zeiten wirtschaftlicher Verlangsamung oder Krisenzeiten besonders die Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt stark benachteiligt und in hohem Maße von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Eine Kategorie Jugendlicher macht in diesem Sinne vornehmlich von sich reden: die NEET. Der Begriff NEET (Akronym für Not in Education, Employment or Training) bezeichnet die 15 bis 24-Jährigen in Europa, die keine Schule besuchen, keiner Arbeit nachgehen und auch keine Weiterbildung absolvieren. Die Anzahl der NEET ist in Europa extrem hoch: an die 7,5 Millionen junge Leute fallen unter dieses Statut. Laut Eurofound, der europäischen Stiftung für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen, kosten die NEET Europa etwa 120 Milliarden Euro jährlich.

Die NEET sind eine Herausforderung für die Gesellschaft insgesamt

In Luxemburg sind 6 % der Jugendlichen NEET. Die Jugendabteilung des OGBL bringt sich mittels Forderungen und konkreter Vorschläge aktiv in die Jugendbeschäftigungspolitik ein, einerseits, um die Interessen der Jugendlichen zu vertreten und zu verteidigen, andererseits aber auch um zu verhindern, dass die benachteiligten Jugendlichen in die Prekarität, die Arbeitslosigkeit abdriften oder gar dazu verurteilt werden, sich in der Kategorie der NEET wiederzufinden. Da diesen nicht nur Isolation, physische und psychische Krankheiten drohen, sondern auch Ausgrenzung und Ausschluss, unterstreicht die Abteilung Jugend des OGBL, dass ihre Lage nicht nur für die NEET ein Problem darstellt, sondern eine Herausforderung für die Gesellschaft insgesamt bedeutet.

Oft haben junge Leute benachteiligter Herkunft keine Perspektiven, allein schon dadurch, dass Schulversagen vorprogrammiert ist. Diese Jugendlichen laufen umso mehr Gefahr zu NEET zu werden. Demzufolge verlangt die Abteilung Jugend die Ausarbeitung von Basisstrategien, die ermöglichen so früh wie möglich entgegenzusteuern, wenn solche Kinder durch die Ausrichtung des Schulsystems Schwierigkeiten bekommen. In diesem Sinne spricht sie sich auch für eine Weiterführung der Schulabbrüche vermeidenden Maßnahmen.

Ob junge Menschen, die eine Arbeitsstelle oder einen Weiterbildungsplatz suchen, nun als NEET oder einfach als Arbeitsuchende bezeichnet werden, spielt schlussendlich keine Rolle. Wichtig ist, dass die Jugendlichen sich nicht selbst überlassen bleiben und die Politik endlich reagiert und ihnen reale Zukunftsperspektiven aufzeigt. Die Jugend von heute ist die Zukunft unserer Gesellschaft. Sie außen vor zu lassen käme einer regelrechten sozialen und wirtschaftlichen Verschwendung gleich!

Die Jugendbeschäftigungspolitik darf nicht nur eine Alibi-Funktion haben

Die Jugendabteilung des OGBL verlangt eine radikale Kurswende in der Jugendbeschäftigungspolitik und fordert:

  • eine Anpassung der Ausbildungsinhalte an den Arbeitsmarkt;
  • eine proaktive Jugendbeschäftigungspolitik sowie eine Verbesserung der Vermittlungsdienste für Jugendliche, eine Aufwertung der Orientierungs- und Beratungsdienste, die außerdem individueller gestaltet werden müssten;
  • eine qualitative Analyse der Eingliederungsmaßnahmen, um den «Drehtüreffekt» zu vermeiden: oft werden die jungen Maßnahmenbezieher von einer Maßnahme in die andere geschoben, dies ohne Rücksicht auf eventuelle Überschneidungen;
  • hochwertige angemessen bezahlte Praktika;
  • die formale Anerkennung aller während der Praktika oder im Rahmen von Maßnahmen und Programmen gemachten Erfahrungen und Kompetenzen;
  • die Verankerung eines Beschäftigungszugangsrechts für Jugendliche im Arbeitsrecht.

Schlussendlich fordert die Jugendabteilung des OGBL die Regierung auf die Schaffung von Qualitätsarbeitsplätzen zu unterstützen, dies auch, um das Abgleiten der Jugendlichen in die Prekarität, bedingt durch zahlreiche sich aneinanderreihende Teilzeitjobs, zu verhindern. Berufliche Umorientierung durch Weiterbildung, Zusatzausbildung oder «zweite Chance» müssten Teil einer solchen Politik sein und dies bei voller Anerkennung der sozialen Rechte und der Rechte auf Arbeitslosenentschädigung bei Arbeitslosigkeit der jungen Arbeit suchenden.

Mitgeteilt von der Jugendabteilung des OGBL
am 20. September 2012

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